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Im Internet und in den Medien wird eine Veröffentlichung(1) präsentiert, in der eine „Infantilisierung der europäischen Gesellschaften, den Ursachen und Folgen.“(2) beschrieben werden. „Diese Infantilisierung betrifft alle gesellschaftlichen Bereiche.“(2) … also auch die mittleren und höheren Schulen unseres Landes. … „In ihr sind Eigenverantwortung, Ernsthaftigkeit, Leistungswille, Disziplin, Authentizität und Wahrhaftigkeit verbotenes Terrain.“(2) Es wird beschrieben, dass Erziehungspolitik die Menschen hier im Land auf der Ebene der Intelligenz und der Entwicklungsstufe eines Kindes halten will, denn Kinder seien folgsam und gutgläubig, mündige Bürger, die nachfragen und etwas anzweifeln seien unerwünscht.

Zur einer angeblich geplanten Infantilisierung in mittleren und höheren berufsbildenden Schulen in Österreich ist zu sagen, dass der Übergang vom Kind zum Jugendlichen in der Regel zwischen dem 13 und 14 Lebensjahr geschieht. In diesem Lebensjahr werden in der Schule die Weichen für allgemeine Bildung oder Berufsbildung gestellt, die über infantile Bildung hinausreicht. Typische Merkmale dafür sind:

  • Die Lehrpläne mittlerer und höherer berufsbildenden Schulen stellen die Selbständigkeit des Schülers in den Mittelpunkt. (Lehrplanauszug: die Kompetenz, selbstständig und im Team zu arbeiten, Verantwortung zu übernehmen, mit Konflikten lösungsorientiert und selbstkontrolliert umzugehen sowie ihre eigenen Leistungen einzuschätzen und entsprechend zu handeln)
  • Das bereitgestellte Berufsbildungsangebot steht über dem des Elternhauses.
  • Es werden akademisch gebildete Lehrkräfte eingesetzt, die den Lehrplan als Grundlage verwenden.
  • Prüfungen sollen das geforderte Maß an Bildung sicherstellen.

Diese Merkmale sind nicht in jedem Land der Erde gegeben, weil die politischen, soziokulturellen und/oder infrastrukturellen Voraussetzungen dafür fehlen. In Entwicklungsländern fehlen manchmal wesentliche Aspekte dieser Merkmale. Mittlere und höhere Bildung ist deshalb auch wesentlicher Teil der Entwicklungshilfe.

Wenn Schüler in Österreich eine mittlere oder höhere Schule besuchen, ist das der erste Schritt in eine Richtung, die von infantiler Bildung weg in Richtung höhere Bildung geht. Man darf sich von Jugendlichen natürlich keine Leistung von Erwachsenen erwarten, infantile Züge wird eine Bildung von Jugendlichen immer aufweisen, weil kognitive und/oder soziokulturelle Voraussetzungen fehlen und/oder sie in ihrem Entwicklungsstand vielleicht noch nicht so weit vorangeschritten sind.

Brugger und Gönsch beschreiben Bezug nehmend auf den Bildungsbericht 2016 in Deutschland jedoch einen … anhaltenden Trend zu höherer Bildung, der jedoch bei den Geringqualifizierten nicht ankommt. (3)Das wäre eine plausiblere Erklärung für das Phänomen einer Infantilisierung in unserer Gesellschaft.

Das Ziel unseres Hauses liegt prinzipiell darin, Eigenverantwortung und Disziplin, also nicht infantile Bildung zu vermitteln, um unseren Schülern einen bestmöglichen Berufs- und Studienstart zu ermöglichen. Jeder einzelne Lehrer an unserer Schule bildet mit Unterstützung des Direktors und der Landesschulinspektoren berufsfähige Schüler heran, für die Eigenverantwortung, Ernsthaftigkeit, Leistungswille und Disziplin, wesentliche Bausteine für ihr berufliches Leben darstellen. Was könnten wir denn besseres unseren Kindern mit auf den Weg in den Beruf geben?

Friedrich Sporis

Literatur

1) vgl. Birgit Kelle, Michael Ley, Martin Lichtmesz, Henning Lindhoff, Eva-Maria Michels in: Günter C., Reichel W., (Hrsg) Infantilismus. Der Nanny-Staat und seine Kinder, Verlag: Frank & Frei, Stronach Akademie, ISBN 9783950408164

2) Kein Autor ersichtlich; https://www.amazon.de/Infantilismus-Nanny-Staat-Kinder-Christian-G%C3%BCnther/dp/3950408169; Zugriff am 20. 1. 2017

3) vgl. Brugger Pia, Gönsch Iris, Ein anhaltender Trend zu höherer Bildung, der bei den Geringqualifizierten nicht ankommt. in: DIPF informiert, Bildung in Deutschland. Befunde und Perspektiven aus dem Bildungsbericht 2016, Nr. 24, Oktober 2016. S. 31 – 35.

 

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